Herr Kneer, Sie sind schon einige Jahre im friedfertigen Tomatenanbau tätig, Können Sie uns sagen, warum Ihre Tomaten noch nach Tomaten schmecken? Dafür gibt es mehrere Gründe. Ein wesentlicher ist, dass unsere Tomaten so wachsen können, wie die Natur es vorsieht - ganz natürlich auf Mutterboden*, wohingegen im üblichen Anbau vielerorts die Tomaten bereits ohne Kontakt zum Mutterboden auf Glaswolle wachsen müssen. Für uns ist der Boden der Nahrungslieferant der Pflanze. Ein gesunder Boden ist die Basis für gesunde und schmackhafte Früchte. Die Natur hat es so eingerichtet und wir lernen von ihr.
Durch den Intensivanbau wird der Boden doch ausgelaugt. Andererseits braucht der Landwirt den Ertrag, um wirtschaftlich über die Runden zu kommen. Wie halten sie es damit? Im Gegensatz zum konventionellen und auch zum ökologischen Anbau, wo in den Parzellen der Gewächshäuser durchgehend das ganze Jahr über Kulturen angepflanzt werden, gönnen wir teilweise den Parzellen 1 bis 2 Monate Ruhepause nach einer Wachstumsphase. Der Boden soll sich wieder erholen können. Somit ernten wir 2-3 Kulturen je Saison. Der normale Bioanbau erntet 3 bis 5 Kulturen je Saison und der konventionelle 4 bis 5. Den Minderertrag nehmen wir zugunsten der von Jahr zu Jahr steigenden Lebensmittelqualität in Kauf, und soweit ich von unseren Verkäufern informiert bin, sind unsere Kunden auch gerne bereit, einen angemessenen Preis für die bessere Qualität zu zahlen. Das Qualitätsbewusstsein unserer Kunden und ihre Bereitschaft, für gesunde und hochwertige Lebensmittel mehr zu zahlen, hilft uns, diese Form des Anbaus auch wirtschaftlich betreiben zu können.
Verwenden Sie chemische oder tierische Düngemittel, um den Ertrag zu steigern? Nein. Es beginnt schon bei den Jungpflanzen. Der übliche Bioanbau verwendet tierisches Hornmehl und der konventionelle düngt mit Chemie. Bei uns erhält die Jungpflanze keines von beiden. Der Boden erhält später Nährstoffe durch Erbsenschrot, Steinmehl oder Gründüngung. Im Biolandbau wird Rizinusschrot, tierischer Mist und Gülle - im konventionellen künstliche Dünger sowie Mist und Gülle verwendet.
Bei einem Gang durch Ihre Gewächshäuser fiel uns auf, dass eine Menge Unkraut auf den Gängen zwischen den Kulturen wächst. Ist das Absicht? Ja. Übrigens verwenden wir für die Unkräuter einen anderen Namen, nämlich Beikräuter. Es ist kein Zufall, wenn sie wachsen und wo sie wachsen. Sie produzieren fehlende Mineralstoffe und über das Bodenleben auch Spurenelemente und stehen so der Kulturpflanze in ihrem Wachstumsprozess bei! Die Beikräuter werden 4 bis 5 mal abgemäht, der Mulch ist wiederum humusbildend und zugleich Nahrung für die Regenwürmer - unsere wertvollsten Mitarbeiter. Die Wurzeln der Beikräuter lockern auch den Boden und fördern zugleich das Bodenleben. All diese Prozesse werden im konventionellen Anbau durch chemische "Unkrautvertilgungsmittel", den sogenannten Herbiziden, verhindert.
Entsprechen Gewächshäuser dem naturgemäßen Anbau und was ist der Unterschied zu Treibhäusern? Die Gewächshäuser sind sozusagen ein Hilfsmittel in unseren Breitengraden. Ohne diese klimageschützte Anbauweise ist es in unserem feucht-warmen Klima mit den vielen Schwankungen kaum möglich, wärmeliebende Pflanzen wie Gurken, Tomaten oder Auberginen für unsere Kunden anzubauen. Bei Treibhäusern hingegen werden die Kulturen - wie schon der Name sagt - zum Wachstum angetrieben. Es gibt dafür allerlei technische Tricks, wie künstliches Licht, künstliche Wärme, chemische Dünger, Nährstofflösungen statt Mutterboden, ..... In der Natur hingegen hat alles seine Zeit. Auch die Pflanze braucht ihre Zeit, um reifen zu können. Diesem Umstand wollen wir beim friedfertigen Landbau gerecht werden.
Eingangs erwähnten Sie, dass der Boden die Basis für die Lebensmittelherstellung und das Bodenleben von entscheidender Bedeutung ist. Ja, denn ein gesunder Boden bedeutet gesunde Pflanzen. Ein gesundes Bodenleben erspart uns den Einsatz von Pestiziden. Wir brauchen weder Fungizide gegen Pilzbefall noch Insektizide gegen Insekten noch Herbizide gegen Unkräuter noch Molluskizide gegen Schnecken noch Rodentizide gegen Nagetiere noch sonstige -zide! Die Gründüngung (z.B. Sternmiere, Franzosenkraut, ...) gleicht einer Fütterung des Bodenlebens mit grüner Masse. Auch Getreidekleie kommt als natürlicher Dünger auf die Erde. Und als Stärkungsmittel für die Pflanze verwenden wir ein Kräuterkonzentrat aus Ackerschachtelhalm und Brennesseln. Nach der Ernte im Herbst werden die Tomatenstauden in den Boden eingearbeitet. Sie sind eine wertvolle Nahrung für die Bodenlebewesen. Die so gewonnene Bodenqualität wirkt sich in weiterer Folge positiv auf Qualität und Geschmack der Früchte aus.
Vielen Dank für ihre Auskunft und weiterhin viel Erfolg bei ihrem friedfertigen Landbau.
Mehr über den Friedfertigen Landbau (hier klicken)
Siehe auch. www.gabriele-stiftung.de (hier klicken)
* Bei ca. 95% des modernen Tomatenanbaus wachsen die Tomatenpflanzen nicht mehr auf Mutterboden.
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Die weltweit größte Konzentration von Intensivkultur befindet sich in der andalusischen Provinz Almeria und erstreckt sich auf 350 Quadratkilometer Land. 80% des gesamten spanischen Gemüseexportes wird unter diesem Plastikmeer (auch "mar del plastico" genannt) erwirtschaftet. Noch vor zwanzig Jahren gehörte Almeria zu den ärmsten Regionen Spaniens. Heute zählt sie zu den wohlhabendsten in Europa. Massive EU-Förderungen waren notwendig, um die enorme Produktion von Tomaten, Gurken, Paprika, Erdbeeren, Wassermelonen, etc. aufbauen zu können. Die Produkte werden mitten in den Wintermonaten in unseren Supermärkten günstigst zum Verkauf angeboten. In 32000 Gewächshäusern produziert die Region Almeria jährlich 2,8 Millionen Tonnen Obst und Gemüse. Damit die notwendige Produktivität gewährleistet bleibt, müssen Düngemittel und Pestizide (phytosanitäre Erzeugnisse) im Übermaß eingesetzt werden. Im Vergleich mit ihren holländischen Kollegen setzen die südspanischen Gemüsebauern doppelt soviel Düngemittel und drei- bis viermal mehr Pestizide ein. "Pro Hektar kannst du eine Ernte von 160 Tonnen Tomaten erzielen", sagt Antonio, einer der Landbesitzer Andalusiens, "pro Hektar brauchst du durchschnittlich einen Moro, sonst schaffst du es nicht." Moro ist der Ausdruck für marokkanische Immigranten. Die unter dem Plastik arbeitenden 20 bis 25000 Marokkaner sind mitverantwortlich für das "Wirtschaftswunder" Andalusien. Ihre Lebenssituation ist jedoch katastrophal. |
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